Persönliche Reflexion: Chancen und Konsequenzen des 3D-Drucks

Wie in vorherigen Blogeinträgen bereits aufgezeigt, tun sich mit dem 3D-Druck viele neue Möglichkeiten auf.

In Zukunft soll man Ersatzteile selbst drucken können, oder Dinge im Haushalt, die man gerade brauchen kann, aber nicht zur Hand hat. Auch Deko- oder Einrichtungsgegenstände soll man selbst drucken können.

In der Forschung werden im 3D-Druck ebenfalls neue Chancen gesehen, wie beispielsweise in der Medizin, wo bereits Prothesen und Modelle von Organen gedruckt werden und irgendwann vielleicht sogar echte Organe mit dem 3D-Drucker hergestellt werden können. Ohr und Haut konnten bereits produziert werden. Damit wäre man der Lösung des Problems der vielen fehlenden Organe für Organtransplantationen einen Schritt näher gekommen.

Auch in der Lebensmittelindustrie tut sich einiges in Sachen 3D-Druck. Erst vor kurzem stellte die italienische Firma Barilla erstmals Spaghetti mit dem 3D-Drucker her. Auch essbares Fleisch könnte bald aus dem 3D-Drucker kommen; ein Projekt, an welchem die Firma Modern Meadow zurzeit arbeitet.

Der 3D-Druck hält also in vielen Bereichen der Forschung und Industrie allmählich Einzug und bietet möglicherweise viele neue Chancen. Doch sicherlich hat der 3D-Druck auch negative Folgen und kritische Punkte.

Wie wird sich beispielsweise der Arbeitsmarkt entwickeln? Wahrscheinlich würden einige Stellen verloren gehen, vielleicht würden einige Bereiche der Produktion sogar ganz eingehen. Firmen, welche sich auf die Herstellung von Prothesen spezialisiert haben, wären beispielsweise überflüssig. Wenn wie angekündigt in Zukunft auch ganze Häuser gedruckt werden können, was passiert dann mit den Zimmermännern und Maurern? Auch in vielen anderen Bereichen wird sich diese Frage stellen.

Auf Thingiverse wimmelt es nur so von Entwürfen für 3D-Objekte, welche von Usern hochgeladen werden und zur freien Verfügung stehen. Es handelt sich dabei aber meist nur um Dekorations-  und Einrichtungsgegenstände, also nichts, was man unbedingt im Haushalt haben muss. Wirklich brauchbare Gegenstände, wie beispielsweise Ersatzteile, gibt es kaum.

Wie bereits im Beitrag „Chris Anderson und die Makers: Wir sind jetzt alle Designer“ aufgezeigt wurde, ist Anderson der Meinung, dass die „Herstellung von Dingen“ bereits im Schulunterricht gelernt werden soll, unter anderem auch das Designen von Gegenständen für den 3D-Druck. Dies, weil wir jetzt eben „alle Designer sind“. Doch wollen wir das überhaupt? Es fragt sich, ob es überhaupt nötig ist, dass in Zukunft alle die Fähigkeit besitzen, 3D-Objekte zu gestalten und zu drucken.

Meiner Meinung nach wohl eher nicht. Bis heute war die Gestaltung von Dingen ja auch nicht jedermanns Sache. Die Gestaltung von 3D-Druck-Objekten wird wahrscheinlich auch nicht zu den technischen Kompetenzen gehören, welche allgemein von jedem erwartet werden, wie beispielsweise der Umgang mit einem Computer. Es kann allerdings gut sein, dass sich der 3D-Druck für einige Verbissene als eine Art Hobby etabliert. Oder dass sich die Gestaltung von 3D-Objekten zu einer eigenen Kunst entwickelt. Dass der Besitz eines 3D-Druckers normal und in jedem Haushalt ein solches Gerät vorhanden sein wird, ist schon eher vorstellbar.

Auf Thingiverse sind 3D-Entwürfe noch kostenlos. Aber es ist denkbar, dass sich bald ein neuer Markt entwickelt, auf dem 3D-Pläne kommerziell vertrieben werden. Es könnten dann Unternehmen entstehen, welche sich auf das Entwerfen von Objekten für den 3D-Druck spezialisieren – und dies in ganz verschiedenen Bereichen. Beispielsweise könnte es Firmen geben, welche Entwürfe für das Drucken von Werkzeugen und anderen Handwerksmaterialien verkaufen. Oder ein Möbelgeschäft, welches nicht die Möbel selbst vertreibt, sondern nur noch die 3D-Pläne für ihre gestalteten Möbel. Man kann sich dies vielleicht als eine Art „virtuelle IKEA“ vorstellen, bei der man dann nicht mehr in das Möbelhaus fährt und Möbel einkauft, sondern den Webshop besucht und  sich dort die 3D-Entwürfe für die gewünschten Möbel kauft.

Und da ja nicht alle über die Kompetenz verfügen, Objekte für den 3D-Druck selbst zu gestalten, würde das Ganze eben auch funktionieren.

Zum Schluss noch einige persönliche Worte zu diesem Blog:

Dadurch, dass ich regelmässig etwas über das Thema geschrieben habe, habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt – wahrscheinlich sogar intensiver, als wenn ich eine Arbeit darüber verfasst hätte. Ausserdem hat man anhand des Blogs auch unglaublich viel über das Thema lernen können. Dadurch, dass zwei Personen Blogeinträge verfasst haben, konnte man auch etwas voneinander lernen.

Ab und zu war es schwierig, entsprechende Themen für die Beiträge zu finden. Es war auch nicht ganz einfach, einen roten Faden in den ganzen Blog zu bringen, da es ja einzelne Beiträge von zwei verschiedenen Personen sind. Im Nachhinein denke ich aber, dass wir das Thema abgedeckt haben und den Blog nachvollziehbar aufbauen konnten.

Persönliche Reflexion: Chancen und Konsequenzen der Fabrik von Morgen

Wie bereits in einem früheren Beitrag aufgezeigt wurde, könnte das Internet der Dinge in der Fabrikation Anwendung finden. Und zwar in Form eines sich selbst organisierenden Logistiknetzes, über welches Maschinen und Lagersysteme Daten via RFID von den Produkten abrufen können, welche mit einem Smart Tag versehen sind (siehe Beitrag „Internet der Dinge“).

Die Chancen dieser Vernetzung werden dabei vor allem in der Produktion gesehen, weil sie schneller und effizienter sein könnte, da beispielsweise ausgehende Produktionsmaterialien automatisch nachbestellt werden könnten. Auch die Flexibilität könnte gesteigert werden, indem Kundenwünsche berücksichtigt und so nur noch individuelle Produkte hergestellt werden.

Wie weit diese Entwicklung schon fortgeschritten ist, zeigt laut eines Artikels der Zeitung „Die Welt“ die Hannover Messe. Das Leitmotto der Ausstellung, welche letztes Jahr stattfand, war „Integrated Industry“. Allerdings waren die dort gezeigten Technologien noch Prototypen, marktfähige Produkte gibt es noch nicht.

Diese „Fabrik der Zukunft“ bringt aber sicherlich auch negative Folgen mit sich.

Wie damals bei der Mechanisierung zur Zeit der ersten industriellen Revolution würden auch bei der Automatisierung beim heutigen industriellen Umbruch wahrscheinlich Arbeitsplätze verloren gehen. Angestellte, welche direkt an Maschinen arbeiten, diese steuern oder Produktionsmaterialien kontrollieren, wären überflüssig. Dafür wären wahrscheinlich mehr Informatiker, welche das System programmieren und überwachen, gefragt.

Es stellt sich ausserdem die Frage, wie hoch die Fehleranfälligkeit eines solchen Logistiknetzes wäre. Kann sich eine Maschine nicht mit dem Netz oder mit dem herzustellenden Produkt verbinden, würde eine ganze Produktionsstation im Prozess wegfallen. Das Gleiche könnte passieren, wenn eine Maschine oder ein Smart Tag eines Produktes falsch programmiert wurde.

Man kann sich allgemein fragen, welche Risiken ein sich selbst organisierendes Netz von Maschinen und Systemen birgt. Die Maschinen kommunizieren miteinander und steuern einander. Und wie es auch bei Menschen aufgrund falscher Kommunikation zu Missverständnissen und damit zu schwerwiegenden Folgen kommen kann, könnte dies genau so auch bei dieser Infrastruktur passieren. Leicht veränderte Umstände könnten beispielsweise dazu führen, dass Maschinen Befehle zur falschen Zeit geben, was fehlerhafte Aktionen auslöst, wodurch wiederum weitere falsche Befehle gegeben werden. Das ganze System könnte so aus den Fugen geraten. Auch die grossen Mengen an Daten, welche sich durch das Smart Tagging anhäufen würden, und damit verbunden der Daten- und Privatsphärenschutz sind sicherlich Kritikpunkte.

Wie erwähnt, wird die individuelle Produktion als Chance dieser Entwicklung gesehen. Individualität an sich ist zwar gut, aber kann sie auch zu weit gehen? Im Video der Mediathek des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird als Beispiel die Herstellung eines individuellen Seifenspenders gezeigt. Farbe, Geruch, Art des Deckels und die Sprache für die Etikette können selbst zusammengestellt werden. Natürlich wird das Ganze ein wenig überspitzt dargestellt. Trotzdem kann man sich überlegen, ob eine solche Individualität überhaupt gefragt ist. Wollen die Kunden ihre Produkte selbst gestalten können? Eher nicht – viele sind wahrscheinlich schon mit der riesigen Auswahl überfordert, welche sie im Geschäft antreffen. Der Aufwand, welchen die Kunden für solch individuelle Produkte betreiben müssten, wäre wahrscheinlich zu gross und die Nachfrage würde zurückgehen.

Das Internet der Dinge und die damit verbundene Fabrik von morgen machen in gewissen Bereichen vielleicht Sinn. Doch bis dies wirklich Realität wird, bedarf es noch einiger Überlegungen. Oder wie es Friedemann Mattern und Christian Flörkemeier der ETH Zürich (pdf) formulieren:

„Damit ein Internet der Dinge wirklich Nutzen stiftet, bedarf es mehr als nur mikroelektronisch aufgerüsteter und miteinander kooperierender Gegenstände. Ebenso nötig sind sichere und verlässliche Infrastrukturen, geeignete ökonomische und rechtliche Rahmendbedingungen sowie ein gesellschaftlicher Konsens darüber, wie die neuen technischen Möglichkeiten verwendet werden sollen.“

Die Blogosphäre der Makers-Bewegung

Es ist nicht ganz einfach, andere Blogs zu diesem Thema zu finden. Am erfolgreichsten ist man, wenn man nach Blogs zum Thema 3D-Druck recherchiert. Es gibt einige Websites zum Thema, die nebenbei noch einen Blog führen.

So beispielsweise das Fablab in Zürich. Dort wird auf der Website ein Blog geführt, welcher auch als eine Art News-Seite genutzt wird und auf welchem über Erlebnisse berichtet oder bekannt gegeben wird, wenn ein Gerät kaputt ist.

Sehr interessant ist der Blog 3drucken.ch. Es ist ein privater Blog eines Informatikers der Pädagogischen Hochschule Bern. Er berichtet dort über Erlebnisse mit seinem eigenen 3D-Drucker und über diverse Schulprojekte zum Thema 3D-Druck, bei welchen er als Betreuer mitgearbeitet hat. Ein solches Schulprojekt war beispielsweise „3D-Boardgame: Schülerinnen und Schüler drucken ihr eigenes Brettspiel“, welches bei einer vierten Klasse durchgeführt wurde. Der grösste Teil des Blogs entsteht aber in seiner Freizeit. Es finden sich zum Beispiel Berichte darüber, wie er versucht, möglichst stabile Objekte zu drucken, welche Probleme dabei auftreten und wie er diese löst. Lösungswege oder auch der Ablauf des Zusammenbaus des neuen 3D-Druckers werden immer sehr genau beschrieben. Ausserdem arbeitet er seit Oktober 2013 daran, eine eigene Software zur Gestaltung von 3D-Objekten zu entwickeln. Zudem wird auch sehr ausführlich beschrieben, wie man vorgehen soll, wenn man einen eigenen 3D-Drucker kaufen will.

Web2-Unterricht ist ein Blog für Lehrkräfte an Mittelschulen. Dort werden Web-Tools und spezielle Unterrichtsideen vorgestellt, hilfreiche Links zur Verfügung gestellt und vieles mehr – unter anderem auch zum Thema 3D-Druck. So beschäftigt sich zum Beispiel der Eintrag „3D-Druck ganz einfach?“ damit, wie beim ersten Drucken mit dem neuen 3D-Drucker der Schule vorgegangen wurde, beispielsweise woher sie die Druck-Entwürfe genommen hatten oder welche Druckeinstellungen vorgenommen wurden.

Ein weiterer Blog für Lehrkräfte ist der Blog Design Make Teach. Es geht darum „digitale Herstellung“ ins Klassenzimmer zu bringen – also nicht nur den 3D-Druck. In der Beschreibung des Blogs heisst es:

[…] a blog about MAKING in the classrom. MAKING is a process that engages students in thinking, making and sharing.“

Ein Versuch, die Makers-Bewegung wirklich in die Schule zu bringen und den „digitalen Werkunterricht“ einzuführen (siehe Beitrag „Chris Anderson und die Makers: Wir sind jetzt alle Designer“). Das erwähnte „Sharing“, welches den Schülern gelehrt werden soll, ist ein weiteres Merkmal für die Makers-Bewegung.

Der Blog von Makezine beschäftig sich mit der Makers-Bewegung allgemein. Makezine ist ein Magazin zur Makers-Bewegung. Im Blog wird beispielsweise über neue UAV (Unmanned Aerial Vehicles) berichtet, ähnlich wie bei DIYDrones. Weiter gibt es auch Beiträge über Plattformen für Makers oder Berichte über die Maker Faire, einen Event für Maker, welcher auch vom Magazin organisiert wird. Es wird beschrieben als

„a family-friendly festival of invention, creativity and resourcefulness, and a celebration of the Maker movemement.“

Schliesslich gibt es einige andere Blogs, welche vereinzelt Beiträge zum Thema veröffentlichten. So finden sich auch Artikel zum Thema Internet der Dinge:

Gigaom: This group just created a address book for the internet of things

Peyush14: A new era of convergence!

Trendmicro: Steht das „Internet der Dinge“ 2014 unter Beschuss?

Schleeh: Industrie 4.0 – oder wie wir mit den vernetzten Geräten das Warten lernen

Cad Cam: Das Internet der Dinge, Industrie 4.0 und SLM

Solche Artikel finden sich aber nur wenige, da dass Thema offenbar weniger präsent ist, als der 3D-Druck.

Erstaunlich ist, dass es schon einige Blogs gibt, die sich mit dem 3D-Druck im Schulunterricht beschäftigen. Allerdings posten diese und auch andere Blogs zum 3D-Druck meist nur Erlebnisberichte mit ihrem eigenen 3D-Drucker oder Anleitungen für 3D-Objekte. Beiträge, welche sich mit der Zukunft des 3D-Drucks oder mit dessen Auswirkungen beschäftigen, gibt es kaum.

Ein erstes Fazit mit persönlicher Reflexion

Die Makers-Bewegung ist auf dem Vormarsch. Ob sie sich jedoch grossflächig durchsetzen kann, liegt zum einen an den Bedürfnissen und am Willen der Menschen und zum anderen an der Definition (siehe Beitrag „Wollen wir alle Makers sein?“).

Ich persönlich denke, dass wir uns bei der Makers-Bewegung – einmal nur aus der Sicht von Privatpersonen betrachtet – erst am Anfang befinden. Blogs, Do-It-Yourself, eigene Videos etc. gehören zwar mittlerweile zu unserem Alltag, jedoch scheint noch jeder für sich selber zu arbeiten und erst das fertige Produkt im Web zu teilen – wenn überhaupt. Es kann dann höchstens kommentiert werden. Trotzdem dürfte das Thema in Zukunft immer wichtiger werden, denn selbst diejenigen, die gerne etwas von Hand machen, blenden die neuen technischen Möglichkeiten nicht aus (siehe Beitrag „Selbstgemacht: Makers aus dem Alltag“). Vielleicht verdrängen in solchen Fällen die technischen Neuerungen die Handarbeit nicht, haben aber das Potential, sie zu ergänzen.

Momentan verspüren die Makers-Bewegung und die dazugehörenden neuen Technologien wie der 3D-Drucker vorwiegend im industriellen und professionellen Bereich Aufwind. Berufsleute, die sowieso etwas „machen“ müssen (z.B. industrielle Designer oder Ingenieure), werden besonders gerne vom 3D-Drucker Gebrauch machen, welcher sich momentan vorwiegend für Modelle eignet. Dabei hilft es selbstständig Erwerbenden und kleinen Unternehmen, dass es mittlerweile auch für sie erschwingliche Geräte gibt. Ein Beispiel dafür ist der Desktop-3D-Printer „MakerBot Replicator 2“. Dieser ist einfach zu bedienen und daher nicht ausschliesslich für Experten, sondern auch für „Normalbürger“ geeignet. Auf YouTube gibt es sogar Videos, die erklären, wie der „Replicator 2“ funktioniert:

Der 3D-Drucker bietet viele neue Möglichkeiten, welche sowohl positive wie auch negative Konsequenzen haben können (siehe auch Beitrag „Was bietet der 3D-Drucker?“). Gelingt es zum Beispiel der Organisation „Modern Meadow“ mittels Gewebezüchtung Fleisch und Leder herzustellen, so könnte in Zukunft tatsächlich die steigende Nachfrage nach solchen Produkten gedeckt werden, ohne die Umwelt zusätzlich zu belasten.

Eine mögliche negative Entwicklung zeigen Vorfälle wie die Veröffentlichung des 3D-Entwurfs für eine funktionsfähige Kunststoffwaffe, welche nicht nur einfach selbst gedruckt werden kann, sondern auch ohne Probleme durch Metalldetektor-Kontrollen kommen würde.

Doch führen all diese Entwicklungen wirklich zu einer industriellen Revolution? Oder ist es nur eine Weiterentwicklung der Digitalisierung, also der dritten industriellen Revolution (siehe Beitrag „Von der Dampfmaschine zum 3D-Drucker – Industrielle Revolutionen im Überblick“)? Ist der 3D-Drucker nur ein weiteres Werkzeug, welches die Arbeit erleichtert?

Wenn die „Fabrik von Morgen“ wirklich in der vorhergesagten Dimension realisiert wird (siehe Beitrag „Das Internet der Dinge“), dann ist es meiner Meinung nach schon eine sehr grosse Umstellung, die an eine industrielle Revolution herankommt. Allerdings hängt immer noch sehr viel mit der Digitalisierung zusammen und müsste sich zuerst so durchsetzen, dass zum Beispiel jeder Haushalt auf dem eigenen 3D-Drucker die benötigten Alltagsgegenstände ausdruckt. Das sehe ich in der näheren Zukunft noch nicht so. Vielleicht bleibt der 3D-Drucker auch ein Nischenprodukt, denn der Mensch macht immer noch gerne Dinge von Hand oder kauft sie unterwegs ein – manchmal ist das sogar eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Zudem müsste sich die Qualität der „Drucke“ noch stark verbessern, damit sie zu mehr als einem Modell reichen. Es ist also noch ein langer Weg, der weitgehend offen ist. Zum ersten Mal hat die Gesellschaft jedoch die Möglichkeit, die neue industrielle Revolution mitzugestalten – so sagt es zumindest die Hightech-Strategie der deutschen Bundesregierung, welche eigens dafür das Projekt „Industrie 4.0“ ins Leben gerufen hat (siehe Beitrag „Der Begriff Industrie 4.0“).

Ein weiterer grosser Vorteil, den ich für die Makers-Bewegung sehe, ist die Möglichkeit, Innovationen verstärkt zu fördern (siehe Beitrag „Wie Makers Innovation fördern“).

Mich persönlich hat die Makers-Bewegung noch nicht angesteckt, obwohl ich es eine interessante Thematik finde. Ich habe kein Bedürfnis, demnächst meine eigenen Objekte auszudrucken oder mit anderen Makern zusammen Modelle zu entwerfen. Dennoch finde ich es spannend, die Weiterentwicklung der Makers, der neuen industriellen Revolution und der Industrie 4.0 zu beobachten. Die Zukunft in diesem Bereich ist noch sehr offen und kann in viele Richtungen gehen, Prognosen sind derzeit noch schwierig.

Abschliessend ein paar methodische Überlegungen zur Erstellung dieses Blogs…

Schwierig fand ich es teilweise, Themen für die einzelnen Blogeinträge zu finden oder voneinander abzugrenzen. Daher dauerte es bei jedem Eintrag eine Weile, bis ich in einen Schreibfluss hinein kam, danach fiel es mir leichter. Dafür eignete sich die Thematik der Makers gut, um aufeinander aufbauende Einträge zu verfassen.

Wenn ich nun auf meine Arbeit zurückblicke, fällt mir erst richtig auf, wie viel ich durch diesen Blog über das Thema gelernt habe. Es war interessant, sich auf diesem Weg über einen längeren Zeitraum mit einem Thema zu befassen.

Open Hardware

Schon beim ersten offiziellen Gesetz zum Patent von 1790 war der Leitgedanke vor allem Offenheit. Erfindungen sollten nicht als Betriebsgeheimnis gehalten, sondern mit der Öffentlichkeit geteilt werden, damit andere davon lernen können. Die Erfinder konnten ihre Erfindungen nur patentieren lassen, wenn sie diese auch veröffentlichten.

Heutzutage teilen Erfinder ihre Kreationen immer öfter mit der Gesellschaft, allerdings ohne jeglichen Patentschutz, sondern als Open Source. Im Allgemeinen bedeutet dies: Mit dem Erhalt eines Werkes erhält man auch den dazugehörigen Quelltext.

Verwirklicht wurde diese Idee zunächst mit Open-Source-Software, welche unter der Open- Source-Lizenz steht. Diese erlaubt es, eine Software frei zu kopieren, modifizieren, verändern und weiterzuverbreiten. Open Source Software begegnet uns jeden Tag, beispielsweise durch den Browser Firefox, durch das Android-Betriebssystem und durch die Linux-Webserver, auf welchen die meisten von uns besuchten Websites laufen.

Nun gilt dies aber nicht mehr nur für Software, sondern auch für Hardware. „Open Source Hardware“ wird eine Hardware oder auch ein anderes technisches Gerät genannt, welches nach lizenzkostenfreien Bauplänen angefertigt wurde. Das heisst, die Entwürfe, teilweise auch ganze Softwares und andere Elemente zur Fertigung des physischen Produktes, sind frei im Internet verfügbar und somit auch kopier- und veränderbar. Diese Entwürfe müssen nicht zwingend für Informationstechnik sein, sondern können beispielsweise auch Pläne für Autos oder 3D-Objekte enthalten.

„All diese Firmen [welche Projekte zu Open Hardware leiten] verschenken die Bits und verkaufen die Atome.“ (Anderson)

Bits nennt Chris Anderson dabei die Entwürfe und Baupläne, welche veröffentlicht werden, und die Atome sind dann die physischen Produkte, die auf diesen Entwürfen basieren, da bei deren Herstellung reale Kosten entstehen.

In diesem Bereich laufen zurzeit viele Projekte. Beispiele sind der MakerBot-3D-Drucker, Arduino oder auch Chris Andersons Unternehmen DIY Drones. Sie sind im Sinne von Open Source quelloffen und wurden auch so entwickelt. Diese Firmen zielen darauf, eine Gemeinschaft von Usern zu entwickeln, im Falle von DIY Drones über ein soziales Netzwerk, in welcher dann die neuen Produkte entwickelt werden.

So wird auf offene Innovation gesetzt und Forschung und Entwicklung sind billiger, schneller und besser. Die Produkte werden so ständig verbessert und Fehler werden behoben. Bevor das Produkt überhaupt auf den Markt kommt, wurde es bereits getestet – von der Entwicklergemeinschaft, in welcher später auch potenzielle Käufer vertreten sein könnten. Diese Gemeinschaft agiert sozusagen als Innovationsabteilung der Firma und das Produkt hat bessere Chancen auf kommerziellen Erfolg.

So entstehen auch Produkte wie der OLPC XO-1, ein 100-Dollar-Laptop, oder der MP3-Player Daisy, ein MP3-Player zum selbst bauen. Auch das bereits im Beitrag „Die Entwicklung der Makers“ erwähnte Thingiverse, eine Plattform, auf welcher User ihre Entwürfe für 3D-Objekte uploaden und so anderen zur Verfügung stellen können, gehört in den Bereich Open Hardware.

Auch OHANDA (Open Hardware and Design Alliance) hat die von GNU definierten „Four Freedoms“ als Grundlage für ihr Projekt genommen. Ihr Motto lautet:

„Use, make, learn, sell, change, copy, manufacture, mass-produce, improve, downgrade, upgrade, redistribute – do absolutely what ever [sic] you want.“

Wollen wir alle Makers sein?

Im letzten Beitrag „Selbstgemacht: Makers aus dem Alltag“ wurde die SRF-Sendung „SRF bi de Lüt – Selbstgemacht“ vorgestellt. Dabei wurden „Macher“ aus einer anderen Perspektive betrachtet, bei der es nicht es nicht um die von Chris Anderson definierte heutige Makers-Bewegung geht (siehe Blogeintrag „Chris Anderson und die Makers“). Hier steht die gute alte Handarbeit im Zentrum, welche sich vor allem in der physischen Welt abspielt. Die Sendung zeigt, dass auch heute Menschen Freude an physischer Arbeit haben und dass diese eine grosse Kreativität und Einzigartigkeit ermöglicht. Kreativität ist zwar auch bei digitalen Entwürfen gefragt, jedoch fehlt oft die haptische Wahrnehmung. Und was die Einzigartigkeit angeht, so ergibt ein digitaler Entwurf, der beispielsweise mit dem 3D-Drucker realisiert wird, immer identische Objekte. In der physischen Welt bzw. bei der Handarbeit geben auch gleiche Entwürfe nie den exakt gleichen Gegenstand. Hier ist Einzigartigkeit gegeben.

Demnach dürften nicht alle „Macher“ zu Makern nach der Definition von Anderson werden wollen. Das physische Arbeiten wird immer noch geschätzt.

Auf der anderen Seite hat der Mensch schon immer Dinge gemacht und tut das auch jetzt in der digitalen Welt. Zum Beispiel hat das Videobearbeitungsprogramm „Windows Movie Maker“ bereits das Wort „Maker“ in der Bezeichnung drin. Jedoch erfüllen diese Makers noch nicht alle Anforderungen, welche die Makers-Bewegung hat. Erst wenn die Macher digital und im Web arbeiten, wenn sie vernetzt sind und ihre Entwürfe oder Anleitungen teilen, gehören sie zu den heutigen Makers. Denn dadurch kann ihre Arbeit industrialisiert und kommerzialisiert werden.

Doch wollen alle Leute ihre Inhalte teilen? Ist es wirklich nötig, sich bei jeder Kleinigkeit auszutauschen? Geht dadurch nicht die Individualität verloren?

Um auf das Thema unseres Blogs zurückzukommen: Werden wir alle zu Makers? Darauf könnte man antworten: Nein, wir werden es nicht, wir sind es schon.

Wenn man allerdings die Makers im Zusammenhang mit der neuen bzw. vierten industriellen Revolution betrachtet, liegt die Sache noch etwas anders. 3D-Druck, Internet der Dinge, Fabrik von Morgen mit flexibler Produktion und digitale Vernetzung aller „Makers“ – das ist zwar alles schon möglich, aber noch nicht durchdringend verbreitet. Das wird noch eine Weile dauern und ist vielleicht auch nicht überall erwünscht.

Selbstgemacht: Makers aus dem Alltag

Makers gab es schon immer, auch wenn sie nicht so bezeichnet wurden. Der Mensch neigt dazu, Dinge zu machen. Ob er das „Ding“ nun zum Leben braucht oder einfach Freude am „Machen“ hat, spielt dabei nicht wirklich eine Rolle.

Ausserdem wurde das Wissen auch schon früher – ohne das Internet – weitergegeben, und sei es einfach ein Familienrezept, welches der nächsten Generation anvertraut wurde.

Vieles, was früher von Hand gemacht wurde, ist heute digital möglich. Das erleichtert manchem das Leben und spart Zeit. Doch trotz all den Möglichkeiten, die uns die neusten Technologien bieten, gibt es auch heute noch Leute, die gerne selber und ganz ohne die digitale Welt etwas machen, kreieren, ausprobieren…

Solche Leute zeigt die Fernsehsendung „SRF bi de Lüt – Selbstgemacht“, welche in zwei Teilen im Dezember 2013 vom Schweizer Radio und Fernsehen ausgestrahlt wurde.

„Die Leute haben wieder Freude an der Handarbeit – selber etwas kreieren“, so leitet die Moderatorin Anet Corti die zweite Sendung vom 20.12.2013 ein. In jeder Sendung werden fünf Objekte von der Moderatorin selbst gemacht. Dabei gibt es verschiedene Schwierigkeitsstufen und es werden Werkstätten und Ateliers von ganz unterschiedlichen kreativen Köpfen aus der Schweiz aufgesucht. „Nicht alles ist gleich einfach. Für gewisse Techniken braucht es Vorwissen oder eben auch ein bisschen Begabung“, sagt die Moderatorin in der Einleitung. Diese unterschiedlichen Begabungen machen auch die Einzigartigkeit bei der Handarbeit aus. Beispielsweise bemerkt die Moderatorin im Glasperlen-Atelier: „Formen und Präzision […] sind einzigartig“ (in der zweiten Sendung: „Schmuck und Kleider“ vom 20.12.2013).

Die Leute, die in diesen Ateliers arbeiten, haben Freude an ihrem Handwerk. Daher bleibt es fraglich, ob zum Beispiel der 3D-Drucker die physische Arbeit in diesen Fällen verdrängen könnte, selbst wenn er all diese Gegenstände in guter Qualität drucken würde.

Die Anleitungen für die verschiedenen Objekte aus der Sendung sind auf der Internetseite zu finden, es wird also auch hier geteilt, obwohl es in der Sendung nicht direkt um die Makers aus der hier im Blog diskutierten Makers-Bewegung geht.

Dennoch blendet die Sendung die mögliche Zukunft von selbstgemachten Gegenständen nicht aus. So wird am Ende der Sendung vom 20.12.2013 eine Figur gezeigt, welche von einem 3D-Drucker stammt. Dazu folgendes Zitat der Moderatorin:

„Alles habe ich selber gemacht – ausser dieses Figürchen. Das ist Selbermachen in der Zukunft. Per 3D-Drucker. Ganz ohne Handfertigkeit.“